admin on Septiembre 14th, 2010

 Jedes Jahr laden wir Pastoren und Missionaren zum einwöchigen Seminar der Hochschule für Transkulturelle Mission www.esmt.es ein. Das besondere an dieser Schule: sie geht direkt dorthin, wo die Geschwister  arbeiten. Dieses Jahr sind wir in Granada, das über Jahrhunderte hinweg ein Zeugnis friedlichen Zusammenlebens der Kalifen, Juden und Christen  in Spanien war. Es geht uns vor allem darum, Bibelschulen und Leiter einen erneuerten Missions- und Weltblick zu vermitteln. Namhafte Missiologen unterstützen uns beim Analysieren globaler Tendenzen. Gemeinsam reflektieren wir über die neuen Herausforderungen der Missiont auf unserem säkularisierten Kontinent. Europa ist  zwar gegen die Christenheit immun geworden, jedoch entdecken wir eine einzigartige Suche nach neuen Formen der Spiritualität. Lasst mich euch etwas mit in die diesjährige atemberaubende Thematik entführen:

            In den 80ern wurde von japanischen Geschäftsleuten der Begriff „Glokalisierung“ eingeführt, um ihre globalen Geschäftsformen zu beschreiben. Jedoch erst in den 90ern wurde dieser Begriff im Bereich der Umweltpolitik, durch das  Nationales Global Change Sekretariat bekannt und danach vielfältig neu erfunden und eingeführt.  Jetzt ist er auch in der Mission angekommen.

            Fast alles was sich auf der Welt abspielt ist von lokaler und gleichzeitig von globaler Bedeutung. Die Finanz-Krise hat uns fast alle erwischt. In den letzten Jahren hat sich unser Planet zu einem globalen Dorf entwickelt. Die entferntesten Kontinente sind für alle greifbar nahe gekommen. Modernste Satelliten, Kommunikationstechnologie und Billigflieger machen´s möglich.  Es gibt fast keine Grenzen mehr. Nichts kann uns mehr aufhalten. Alles scheint machbar zu sein. Wir sind Weltbürger, „Global Players“ geworden. Auch die Stimme des Evangeliums machte sich diese neue Realität nutzbar und hat wie nie zuvor fast alle Länder im Sturm erobert.

            Jedoch stellt uns die Globalisierung vor schier unüberwindbare Probleme. Und das nicht nur in Zeiten schwerster Verwüstungen wie in Haiti, Chile oder der  Türkei. Die Bevölkerungsexplosion in der „Dritten Welt“ provoziert eine nicht zu bewältigende Armut und Hunger. Unfassbarer Kindesmissbrauch, unkontrollierbare Pandemien, rasend wachsende Megastädte mit ihrer Arbeitslosigkeit, Verslumung und Kriminalität schreien nach sofortigen Lösungen. Die Immigration in die entwickelten Länder hat erst begonnen. Die dort entstehenden kulturellen Konflikte entfachen eine Rückbesinnung auf die eigene Identität, soziale Ausgrenzung und einen neuen Rassismus, wie er sich in Holland darzustellen droht. Wenn Fachleute von Glokalisierung sprechen, meinen sie die Globalisierung der Biografien, eine neue Weltoffenheit, bei der alle Kulturen anerkannt und respektiert werden und dennoch regionale Verwurzelungen erhalten bleiben können.

             Pluralistische Toleranz und ein wachsender Synkretismus der größeren Weltreligionen, die sich nun außerhalb ihres natürlichen Umfelds entwickeln, gehören zu den größeren Herausforderungen, mit denen wir Christen uns in Europa auseinandersetzten müssen. Multikulturelle Modelle internationaler Gemeinden klagen Veränderungen unseres Gemeindeverständnisses ein. Bedeutet die Glokalisierung, die neue Einheit zwischen lokal und global, dass wir uns lieb gewordene Gewohnheiten und Werte, die unser christliches Abendland so maßgebend geprägt haben, aufzugeben haben?  Heißt „think local, act global“, dass wir die Art wie wir leben und fühlen auf den Kopf zu stellen haben.  Wie können Modelle aussehen, die Menschen wieder effektiv in unserem transkulturellen Umfeld erreichen?  Ich wünsche Ihnen intensive Diskussionen in Ihren Hauskreisen und Gemeinden. Und vergessen sie nicht, dass nach  1. Kor 1:24 die Kraft und Weisheit Gottes, die Menschen zur Erlösung führt, kulturübergreifend in der (gar törichten)Predigt des gekreuzigten Christus verborgen liegt. Das ist unsere Erfahrung. Liebe Grüße aus dem seit zwei Monaten nicht mehr so sonnenverwöhnten Málaga.

 

Einige Leute des letzten Seminares